Eine Ziegelei in Götz am Havelufer

Lust auf Zauche

Mit der Einweihung einer Informationstafel in Götz am Havelufer am 26.8.2016 wird an ein Stück Götzer Ziegeleigeschichte erinnert. Fast 40 Gäste trafen sich dazu im Vereinsheim des Anglerverbands, um Historisches über den ehemaligen Ziegeleistandort am Havelufer zu erfahren.

Informationstafel Ziegelei Götz

Informationstafel nicht nur zur Ziegelei in Götz

Initiator für die Tafel war Jürgen Eisele, der ein ehemaliges Ziegeleigebäude am Havelufer – das einstige Wohnhaus des Betriebsleiters – erwarb und selbst mehr über die Historie erkunden wollte. Mit Unterstützung von Jörg-Dieter Ulrich, der als Götzer Ortschronist wirkt, den Mitgliedern des neu gegründeten Heimatvereins von Götz, dem Heimatverein Deetz sowie dem Zeitzeugen Hartmut Obst, der in dem Haus und auf dem Gelände seine Kindheit verbrachte, konnte die Informationstafel mit Bildern und Text gestaltet werden, die nun in die Hände des Heimatvereins Götz übergeben wurde.

In Götz gab es einst vier Ziegeleien; eine am Havelufer und drei weitere im Ortsteil Götzer Berge. Von diesen Ziegeleien existieren heute keine nennenswerten Bauwerke oder Anlagen, von den ehemaligen Tongruben abgesehen. Die Ziegelei am Havelufer stellte den Betrieb zu Beginn des 2. Weltkriegs ein, der Betrieb wurde nicht wieder aufgenommen. Die Anlagen wurden nach dem Krieg demontiert und als Reparationsleistungen in die Sowjetunion verbracht. Die letzte Ziegelei in Götzer Berge stellte 1954 als VEB (K) Ziegelei Götz den Betrieb ein.

Heute haben zahlreiche Bungalowbesitzer und Angler der Vereine das Gelände der ehemaligen Ziegelei am Ufer der Havel zu einem schönen Stück Erde an der Havel gestaltet. Da der Havelradweg nur wenige hundert Meter entfernt verläuft, nutzte so manch‘ Radler schon einen Abstecher hierher für eine kurze Rast an der Havel ohne zu erfahren, dass er sich hier mitten
in einem ehemaligen Industriegebiet befindet. Das soll sich damit ändern. Anschaulich wird an der neuen Tafel sogar zweisprachlich dieses Stück Industriegeschichte von Götz ausgebreitet.

Die Ziegelei wurde um 1860 bis 1870 am Ufer der Havel, genaue Aufzeichnungen konnten noch nicht ermittelt werden, errichtet. Als erster Besitzer wird ein Herr von Oerzen genannt, später taucht auch der Name eines Besitzers Löwe, 1905 ein Besitzer A. Gericke auf und um 1922 wird als Eigner Fritz Hübner, der auch die Ziegelei in Weseram besaß, genannt.

Die Ziegelei produzierte in Handstrich, d.h. der Ton wurde per Hand in die Streichformen gedrückt und auf den Streichplätzen zum Trocknen ausgelegt. Es soll drei Streichtische mit je zwei Streichern gegeben haben – es wurden aber auch mit einer Presse Lochsteine produziert.

Im Zentrum des Geländes befand sich der ovale Ringofen mit mittig angeordnetem Schornstein. Der Ofen soll ganzjährig betrieben worden sein. Welchen Anteil Normalziegel und Lochziegel an der Gesamtstückzahl hatten ist nicht bekannt. In der Deutschen Tonzeitung von 1905 wird seinerzeit von einer Jahresproduktion von 5,7 Mio Ziegel berichtet. Wie bei den meisten Ziegeleien in der Havelregion, wurde auch hier sehr spät elektrifiziert. So diente eine stationäre Dampfmaschine als Antriebsquelle für Tonschneider, Pumpen, Aufzüge. Im Ofen setzte man Petroleumlampen zur Beleuchtung ein.

Der Ton wurde aus den Tongruben mit speziellen Holzspaten gestochen, später übernahm ein Bagger den Abbau. Für den Transport des Tones nutzte man Holzmuldenkipploren, wie sie bei allen Ziegeleien zu finden waren, vermutlich von Pferden gezogen. Ob noch in den letzten Betriebsjahren eine Diesellok vorhanden war ist nicht bekannt. Da sich diese Ziegelei direkt an der Havel befand, konnten die Ziegel mit geringem Transportaufwand verladen werden. Die Kähne erreichten, ohne lange Zuführung über Kanäle, wie wir es von Ziegeleien zum Beispiel aus der Lehniner Region kennen, die Havel. Ein großer Teil der Ziegel wurde nach Berlin verschifft. In den Jahren nach 1930 sollen viele Siedler in Schenkenberg Steine per Pferdefuhrwerk für den Bau ihrer Häuser von der Ziegelei am Havelufer geholt haben.

Günter Fillies, Heimatverein Deetz

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