Familie Buntspecht

Lust auf Zauche

Der Buntspecht ist in unseren Wäldern recht häufig anzutreffen. Aber so? Dafür braucht es etwas Glück und viel Geduld.

Ein junger Buntspecht blickt neugierig aus seiner Baumhöhle

Ein junger Buntspecht blickt neugierig aus seiner Baumhöhle

Beim einsamen Joggen durch den Tempelwald mitten in der Zauche schilpt es plötzlich lautstark an der Stelle, an der ich gerade vorbei renne. Neugierig bleibe ich stehen und blicke mich um. Der Krach kommt aus einer etwas lädierten Birke am Wegesrand. Knapp über Augenhöhe ist ein Loch im Stamm. Gerade als ich hineinsehen will, kommt ein kleiner Rotschopf hervorgeschossen – und ist genauso erschrocken wie ich. Nur wenige Zentimeter trennen uns.

Wir zucken beide zurück – der Beginn einer kurzen Freundschaft.

Freundschaft mit einem jungen Buntspecht

Nach dem Lauf komme ich zurück. An diesem Tag und gelegentlich auch an den folgenden Tagen. Wann immer ich mir irgendwie die Zeit nehmen kann. Der kleine Buntspecht scheint Vertrauen zu fassen. Oder ist er einfach nur neugierig? Oder leichtsinnig?

Jedenfalls lässt er mich unglaublich dicht mit der Kamera heran. Selbst auf kurzer Distanz lässt er sich von deren gläsernem Auge nicht stören. Ich könnte ihm stundenlang zusehen und zuhören – und glücklich sein:

Blick aus der Baumhöhle

Vorsichtige Annäherung

Kann ich auch die Fütterung beobachten? Die beiden alten Buntspechte sind vorsichtig und weit schwieriger zu beobachten.

Sobald ich ihr aufgeregtes Schimpfen höre, wenn sie mit neuer Nahrung kommen und sich nicht an die Höhle trauen, ziehe ich mich von dem Kleinen zurück. Kaum habe ich eine imaginäre Grenze überschritten, kommen die Eltern sofort näher. Erst fliegen sie zu einem Baum in der Nähe. Dann noch näher. Noch näher. Wenn sie endlich sicher sind, das alles in Ordnung ist, fliegen sie zu der Birke mit ihrem Nachwuchs. Sie landen immer unterhalb der Höhle und klettern dann hinauf.

Gierig verschlingt mein kleiner Freund die herangeschleppten Raupen und Insekten. Nach der Fütterung klettern die Altvögel noch ein kleines Stück höher. Doch nie halten sie sich lange auf. Kein Wunder. Schon unmittelbar nach dem Füttern ruft der junge Buntspecht nach mehr Nahrung.

Fütterung unter Buntspechten

Vorsichtig teste ich, wie weit mich die Altvögel heranlassen, ohne sich gestört zu fühlen. Ich will den kleinen Piepmatz unter keinen Umständen gefährden. Behutsam suche ich mir eins ums andere Mal einen Baum näher an der Nisthöhle aus. Mal vor, mal zurück. Dann schmiege ich mich ganz an den Baum, versuche unsichtbar zu werden. Dennoch bleiben am Ende so einige Meter Abstand.

Trotzdem gelingen mir die schönsten Spechtaufnahmen meines bisherigen Lebens, auch wenn mir die Grenzen meiner Technik schmerzlich bewusst werden:

Für ungeduldige Naturliebhaber

Für geduldige Naturliebhaber

Tipp: Zum Vergrößern einfach auf die Bilder klicken.

Jungvogel mit rotem Scheitel

Männchen oder Weibchen?

„Bei Buntspechten ist der Farbdimorphismus sehr ausgeprägt. Den charakteristischen roten Genickfleck hat nur das Männchen. Die Jungtiere haben einen roten Scheitel.“ – Wikipedia

Auf den Aufnahmen ist das gut zu erkennen.

Entdeckungen

Es wird nie langweilig mit der kleinen Spechtfamilie. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. So bin ich mir bis zum Schluss nicht sicher, wieviele Buntspechte eigentlich in der Höhle sitzen. Zu sehen ist immer nur einer. Oft aber scheint es mir, als ob ich doppeltes Gezeter höre.

Als ich dem Buntspecht oder den Buntspechten zuhöre, ist in der Höhle plötzlich das typische Spechtklopfen zu hören. Früh übt sich offenbar…

Fliegende Buntspechte - ein Versuch

Immer wieder mal versuche ich, die beiden Altvögel zu fotografieren, möglichst im Flug. Das gelingt mir nur sehr bedingt. Sie sind zu scheu, zu weit weg, zu schnell. Doch auch aus der Entfernung kann ich manche drollige Situation beobachten:

Buntspecht in ungewöhlicher Lage

Fortpflanzung

„Buntspechte legen vier bis sieben weiße Eier, die etwa elf bis dreizehn Tage lang bebrütet werden. Die Jungvögel werden etwa drei bis vier Wochen lang gefüttert, bis sie ausfliegen.“ – Wikipedia

Ausgeflogen

Die gemeinsame Zeit mit „meinen“ Buntspechten ist schnell vorbei. Nicht einmal eine Woche – und kein Pieps dringt mehr aus der Höhle. Auch sonst ist kein Spechtrufen mehr zu hören.

Oder doch? Auf einmal höre ich den vertrauten Ruf des Jungvogels. Dann entdecke ich ihn hoch oben auf einer Kiefer – und muss lachen. Gerade als ich hinsehe verliert er die Balance auf seinem Ast. Er rettet sich flügelschlagend und hängt nun unter dem Ast. Für die Kamera ging alles zu schnell…

Auch für mich. Es waren unglaublich glückliche Momente. Ich habe jede Minute genossen, die ich die kleine Buntspechtfamilie im Wald zwischen Borkwalde, Fichtenwalde, Kanin und Klaistow beobachten konnte.

Ein letzter Gruß?

Sind es überhaupt Buntspechte?

„Optisch ähnlich und daher in Mitteleuropa leicht mit dem Buntspecht zu verwechseln sind der Mittelspecht, der Kleinspecht, der Weißrückenspecht und der Blutspecht, die aber alle in Deutschland deutlich seltener vorkommen.“ – Wikipedia

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