Für Ausgleich sorgt das Simson-Moped

Beelitz

Beelitz, für Sarah Wladasch bedeutete das lange Zeit vor allem schöne Kindheitserlebnisse. „Ich habe viel Zeit bei meinen Großeltern und meiner Uroma im heutigen Ortsteil Wittbrietzen verbracht.“ Ihr Opa war „Gemüsebauftragter“ – und mit ihm hat sie im Garten mitunter auch Spargel gestochen, erzählt sie. Dass sie das Beelitzer Edelgemüse und die Stadt insgesamt irgendwann mit Kleid und Krone repräsentieren wird – daran hatte sie damals noch nicht gedacht.

Heute ist Sarah 29 und fiebert ihrer Amtszeit als neue Beelitzer Spargelkönigin entgegen. „Ich freue mich riesig darauf – auf die vielen spannenden Begegnungen und schönen Erlebnisse“, sagt sie mit einem überzeugenden Lächeln. Die Frau hat Ausstrahlung: Wenn sie von Beelitz erzählt und erklärt, was sie daran mag – die malerische Altstadt, die schmucken Dörfer, die Höfe – dann leuchten ihre Augen noch etwas heller als sonst. Und überhaupt kann ihr heiteres Wesen nicht anders als anstecken und gewinnen.

Vielleicht gab auch das den Ausschlag für ihre Wahl zur mittlerweile 20. Hoheit in der seit 1997 währenden Geschichte der Beelitzer Spargelkönginnen. Manfred Schmidt, Vorsitzender des Spargelvereins, erklärt jedoch: „Uns hat sie vor allem durch ihre erstaunlichen Detailkenntnisse über den Spargel und die Region überzeugt. Sie war einfach hervorragend auf unsere Fragen vorbereitet.“ Am Wochenende hatten sich mehrere Kandidatinnen der Wahl gestellt, Sarah war eine von ihnen. „Für das Vertrauen bin ich dem Spargelverein sehr dankbar – und der Familie Jakobs für ihre Unterstützung.“

Geboren und aufgewachsen ist die frisch gewählte Spargelkönigin in Berlin. Dort ging sie zur Schule, machte ihr Abitur und absolvierte erfolgreich eine Ausbildung zur Zahntechnikerin. Nebenher hat sie auf dem Beelitzer Jakobs-Hof im Bereich Service gejobbt. Die Verbindung zur Spargelstadt war immer da – durch die Großeltern und ihre Mutter Sylvia, die seit 1994 den ambulanten Pflegedienst „Feeling“ betreibt – zunächst in Wittbrietzen, seit über zwölf Jahren in der Beelitzer Altstadt. 18 Mitarbeiter kümmern sich von hier aus um ältere und kranke Menschen in der Stadt, den Ortsteilen und darüber hinaus.

Auch ihr Freund ist echter Beelitzer – und Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr. Sein Ehrenamt geht auch an Sarah nicht spurlos vorbei: Sie unterstützt die Beelitzer Ortswehr, wo sie kann. „Beim Halloweenfeuer oder auf dem Adventsmarkt wirbele ich im Hintergrund“, erklärt sie. „Ich habe irgendwann festgestellt, dass es mir im Blut liegt, Dinge zu managen und zu koordinieren“, berichtet Sarah.

Da lag auch die Mitarbeit im Familienunternehmen nahe. „Meine Mama hat aber gesagt: Wenn Du bei mir arbeiten willst, musst Du studieren“, erklärt sie mit ernster Stimme und erhobenem Zeigefinger – und lacht. Und so büffelt sie seit mehreren Jahren Pflegemanagement im Fernstudium, und das neben zwei Jobs – denn den auf dem Jakobs-Hof hat sie nach wie vor. „Ich mag den Ausgleich, da ich dort viel mit Menschen zu tun habe und die nötige Bewegung bekomme.“

So war Sarah in diesem Jahr auch auf der Grünen Woche in Berlin, wo die Jakobs-Höfe die Restaurantterrasse betreiben. „Ich staune jedes Mal, wie bekannt der Beelitzer Spargel ist – und dass die Nachfrage immer weiter steigt“, erzählt sie. „Manche Leute würden ihn am liebsten das ganze Jahr über essen. Aber dann wäre er ja nichts Besonderes mehr.“

Für Sarah ist der Spargel in diesem Jahr noch bedeutungsvoller, immerhin wird sie offiziell die Erste sein, die ihn am 14. April bei der Saisoneröffnung aus der Erde holt. „Ich habe zwar schon seit einigen Jahren nicht mehr selbst gestochen – aber das ist wie Fahrradfahren. Man verlernt es nicht.“ Und solange die erste Stange nicht bricht, könne auch nichts schiefgehen, sagt die junge Frau.

Dass die Saison und auch die Monate danach stressig werden können, das wisse sie und das halte sie auch aus. „Es gibt so viele tolle Anlässe, auf die ich mich freue. Das Spargelfest, die Feste auf den Höfen, die Grüne Woche und natürlich das 120-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Beelitz, das in diesem Jahr ebenfalls ansteht.“ Mit einem Besuch der Spargelkönigin dürfen die Kameraden auf jeden Fall rechnen.

Und wenn sie dann doch mal eine Auszeit vom Trubel braucht, erklärt Sarah, gebe es ja immer noch ihr Moped. Ihr Moped? „Mein Freund hat mir im vergangenen Jahr einen Simson S50 geschenkt. Mit dem fahren wir oft über die Dörfer. Man lernt die Region von zwei Rädern aus ganz anders kennen als wenn man mit dem Auto unterwegs ist.“ Und in diesem Jahr wird es noch besser: Dann sieht Sarah „ihr“ Beelitz nicht nur aus einer anderen Perspektive, sondern auch mit anderen Augen –denen einer Spargelkönigin.

Foto: Gérard Lorenz

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