Baumkronenpfad – Der Herbst wird zum Frühling für Beelitz Heilstätten

Beelitz

Beelitz – Kühl weht der Wind hoch über Heilstätten. Er zwickt im Gesicht und bringt die Baumkronen zum Rauschen – während die tiefstehende Herbstsonne die bunten Blätter leuchten lässt. Wie ein Gemälde kommt die Kulisse daher, eine begehbare Collage aus grünen, gelben, braunen und roten Klecksen, nur hin und wieder durchbrochen von den pittoresken Dächern der historischen Klinikgebäude. Es ist ein atemberaubender Blick, den man vom neuen Baumkronen– und Zeitreisepfad über die Landschaft hat – bis nach Berlin im Norden und den Fläming im Süden. Die Aussicht lockt immer mehr Menschen aus der Region, aber auch weit darüber hinaus, in die Stadt.

Baumkronenpfad "Baum & Zeit" in Beelitz-Heilstätten„Die Japaner interessieren sich sehr dafür, die mögen das Außergewöhnliche“, sagt Georg Hoffmann und schaut über die Brüstung in die Ferne. 23.000 Gäste seien allein in den ersten vier Wochen seit der Eröffnung Mitte September hier gewesen, berichtet der Chef der Heilstätten Projekt Gesellschaft, die die Anlage errichtet hat und betreibt. Und die Rückmeldungen sind durchweg positiv. „Alle Achtung!“, schreibt zum Beispiel eine Besucherin im sozialen Netzwerk Facebook. „Es ist auch wirklich einen Besuch wert“, bemerkt eine andere.

Baumkronenpfad „Baum & Zeit“ Beelitz-HeilstättenFür Georg Hoffmann sind solche Stimmen Bestätigung dafür, dass er mit seiner Vision vom Wandel über Heilstätten goldrichtig gelegen hat. Vor vier Jahren war er mit der Idee angetreten, den seit Jahrzehnten leer stehenden A-Quadranten des um 1900 errichteten Klinikkomplexes aus der Höhe erlebbar zu machen und weiterzuentwickeln.

Keine leichte Aufgabe: Fördermittel gab es keine und neben den Hürden der Genehmigungsbehörden wurden die Bauarbeiten im Frühjahr dieses Jahres massiv sabotiert: Die Vandalismus– und Partyszene, die sich hier über die Jahre frei entfalten konnte, wollte das Gelände nicht preisgeben: So wurde unter anderem der Eingang der ehemaligen Chirurgie zerstört sowie immer wieder die Zäune, mit denen die Gebäude gesichert wurden. Dem Spuk konnte erst durch verstärkte Polizeipräsenz und die erfolgreiche Ermittlung der Täter ein Ende bereitet werden.

Insoweit hat der Baumkronenpfad, der seit dem Sommer in Rekordzeit errichtet worden ist, die Heilstätten zurück in die Mitte der Gesellschaft geholt. Heute sieht man Senioren, junge Paare und Familien mit Kindern flanieren. Es herrscht eine stille, fast andächtige Atmosphäre: In Anbetracht der altehrwürdigen Gebäude und der intensiven Nähe zu den hohen Bäumen redet man automatisch leiser, hält immer wieder inne und staunt.

„Für Botaniker ist hier vieles interessant“, erläutert Georg Hoffmann. Er zeigt auf eine Kiefer, die bis zur Krone von einer Schlingpflanze eingewachsen ist. Vom Boden aus wäre das den wenigsten aufgefallen. 40 verschiedene Baumarten gibt es hier, zwischen Kiefern und Fichten stehen Tannen, Roteichen, Buchen und viele weitere Arten. „Der Bestand wird zurzeit erfasst. Wir wollen in Zukunft thematische Führungen dazu anbieten.“

 

Das für die meisten wohl spannendste Erlebnis aber ist der Blick in die zum Teil verfallenen Häuser. Der Pfad führt über die Frauenheilstätte A3, deren Dach zum Ende des Zweiten Weltkrieges von Bomben hinweggerissen wurde. Dafür ist über die Jahrzehnte ein Wald auf dem Gemäuer gewachsen, hat sich die Natur das Haus einverleibt. Mitten in diesem einzigartigen Hochwald steht noch heute ein rostiges Bettgestell. Ein Stück weiter erhascht man einen Blick direkt in die oberen Räume. Ein Graffiti-Auge blickt von einer Wand aus zurück. „Es ergeben sich völlig neue Sichtbeziehungen. Und auch die Graffiti sind ein Teil der Geschichte dieses Ortes“, findet Hoffmann.

Mit dem 300 Meter langen Abschnitt des Baumkronenpfades und dem Aufgangs– und Aussichtsturm ist ein neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte der Heilstätten angestoßen worden. Der Hochweg soll in Zukunft auf bis einen Kilometer Länge erweitert werden, die Gebäude will die HPG entwickeln. Die ehemaligen Liegehallen haben nach der Rekonstruktion jetzt schon eine neue Funktion: als Kassenhaus, Ausstellungspavillon und Kiosk. Die großen Häuser sollen folgen: Gewerbe, Gastronomie und Wohnen könnten dort bald Platz finden. „Wichtig wäre, dass die Anlage bewohnt wird, dass sie lebt“, wünscht sich Georg Hoffmann.

Ein Stück weit ist dieses Ziel schon erreicht. Allein an diesem Montag kommen 700 Besucher. „Manche sind nicht zum ersten Mal hier“, erläutert der Geschäftsführer. Denn jeden Tag sehe man neue Dinge – je nach Tages-, Jahreszeit oder Wetterlage. Auch er selbst sei immer wieder überrascht.

Zu den ersten Besuchern im September gehörte Bürgermeister Bernhard Knuth: „Für Beelitz, seine Bürger und Unternehmen ist die Anlage in eine unschätzbare Bereicherung“, erklärte er. „Nach Jahrzehnten des Leerstandes können die Gebäude endlich gesichert und entwickelt werden.“ Zudem werde für Ausflügler der Beelitz-Besuch durch den Baumkronenpfad unvergesslich. „Man erlebt, wie Natur und Geschichte ein spektakuläres Bild geschaffen haben, das gerade jetzt im Herbst in den schönsten Farben gemalt wird.“ Und davon wird sich noch so mancher überzeugen wollen – egal, wo er wohnt.

 

Anreise

Mit dem PKW:
Adresse für die Navigation: Straße nach Fichtenwalde 13, 14547 Beelitz-Heilstätten

Sie erreichen den Baumkronenpfad über die A9  Berlin – Nürnberg Abfahrt 2 „Beelitz-Heilstätten“, oder die Landesstraße 88. Vom Kreisverkehr aus gelangen Sie direkt auf die Zufahrt zum Parkplatz des Baumkronenpfades „Baum & Zeit“

Mit der Bahn:
Sie nehmen die Regionalbahn Linie 7 der Strecke Berlin – Dessau, steigen am Bahnhof Beelitz – Heilstätten aus und folgen den Hinweisschildern Richtung Baumkronenpfad Beelitz Heilstätten. Nach einem ca. 5 minütigem Fußweg erreichen Sie den Eingang am „Pförtnerhaus“

Vergessen Sie nicht, die Webseite des Baumkronenpfades „Baum & Zeit“ in Beelitz-Heilstätten zu besuchen.
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